|
Klasse mit Klamauk kombiniert “Stormy Friday” parodiert den Olympia-Rummel in der Villinger Scheuer
D as Konzept ist aufgegangen, der „be-scheuerte" Abend in der Villinger Scheuer war mehr als gelungen. „Stormy Friday", die bekannte Villinger Band, die überwiegend aus Religionslehrern besteht, hatte sich am Samstagabend dem sportlichen Klamauk verschrieben. Mit „Rock'n' Rollympics", so das Motto, traten die fünf Herren und die eine Dame in ungewohntem Outfit auf und verwandelten das Jugendhaus in der Kalkofenstraße in eine Wettkampfarena, wo der Nonsens seine Blüten trieb
. Der übliche Ablauf ihrer Konzerte war aufgebrochen, der eine oder änere Titel wieder oder erstmals ins Reertoire aufgenommen. So wuchs die Sängerin Eli Vogelsang fast über sich hinaus und interpretierte den
größten Hit der Band „4 NonBlondes", den Song „What's Up", auf eine betörend gute Weise. Gitarrist Claus Decker überzeugte mit seiner Version der bundesdeutschen Nationalhymne; die Anklänge an Jimi
Hendrix' berühmte Parodie auf die amerikanische Hymne durchscheinen ließ. Decker und sein Kompagnon Stefan Storz zogen neue Seiten auf, als sie die EaglesNummer „Hotel California" überzeugend
interpretierten.
Natürlich ging es an diesem Abend auch um die Musik und das Abrocken. Daneben soll aber der Spaß-Faktor in Gestalt der Wettkampfeinlagen nicht vergessen werden. Und dabei war Hans
Engelhard als begnadeter Entertainer ganz in seinem Element. Souverän und höchst gekonnt führte er die olympiareifen Kandidaten durch den Spaß-Parcours. So mussten Max und Martin aus dem Publikum beim Hammerwerfen
gegeneinander antreten. Der Wurfhammer allerdings war ein Luftballon.
Die Band hatte die Lacher auf ihrer Seite, als zwei Schülerinnen beim antiken Tischtennisspiel auf enger Platte ihre Fertigkeiten unter Beweis stellen mussten.
Selbstverständlich erklärte Hans Engelhard die Regeln erst nach Spielende. Die Dopingkontrolle aller.dings war für alle verpflichtend. Im Nebenraum mussten die Wettkämpfer hörbar Wasser lassen, was auf wunderliche
Weise als Bierglas auf die Bühne kam. Mehrere Musiker testeten den Gerstensaft, manche steckten zur Probe den Finger ins Glas.
Ergebnis: Natürlich waren alle gedopt, erhielten als Anerkennung dennoch eine Medaille mit der Aufschrift „Ich bin ein Doping-Sünder". Es gab an diesem Abend in
der Scheuer übrigens eine wahre Medaillenflut. Schließlich bekamen auch die Verlierer eine CD mit der Aufschrift „Ich bin ein Loser". Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, mussten die so Geehrten auch noch
die Verlierer-Hymne über sich ergehen lassen. Als Parodie auf „Marmor, Stein und Eisen bricht" erklangen die Spottverse: „Weine nicht, wenn du ein Loser bist."
Alles in allem wurde mit „Rock 'n' Rollympics" die Mentalität des „Höher, schneller und weiter" trefflich durch den Kakao gezogen. Olympia wurde auf
seine wahren Wurzeln reduziert. Bei „Stormy Friday galt eben wirklich das Motto: Dabei sein ist alles.Und wenn die Verlierer in den Jux-Disziplinen ebenso lachen wie das Publikum, dann hat die Band gesiegt. Und
vielleicht wird der Hit der Spencer Davis Group „Keep on running" tatsächlich die neue Hymne der Marathonläufer.
„Stormy Friday" jedenfalls hat bei einem gut aufgelegten Publikum gepunktet mit dem Versuch, ein Rockkonzert in Richtung Klamauk zu erweitern.
JOACHIM SIEGEL
|